Caecilienchor

Grandioses Gloria erfüllte das Gotteshaus

(Von Jürgen M. Jordans, GE 20.11.2012)

Wenn der Name des Komponisten Antonio Vivaldi fällt, so denkt man gleich an die „Vier Jahreszeiten“, seinem zur Zeit wohl populärsten Werk mit hohem Wiedererkennungswert, wenig später ist es dann das

Foto: H. Koch

„Gloria“ mit seinen immerhin zwölf Teilen.

Vivaldi (1678-1741) war ein bedeutender Komponist von der Epochenwende des Spätbarocks zur Vorklassik und einer der größten Violinisten seiner Zeit.

Interessant ist aber, dass er insgesamt drei sogenannte Gloria geschrieben hat. Nur zwei haben überlebt (RV 588 und RV 589), das dritte (RV 590) gilt als verschollen.

Neben seinem Wirken als Komponist war Vivaldi auch ein bedeutender Musikunternehmer.

Vivaldis Bedeutung als Instrumentalkomponist beruht vor allem auf seinen etwa 500 in Form, Besetzung und Charakter sehr verschiedenen Konzerten.

Vivaldi galt zu seinen Lebzeiten als eine Art Lebemann. Neben seinem Wirken als Komponist war er auch ein bedeutender Musikunternehmer, der seine Werke damals selbst vermarktete und als äußerst wohlhabend galt. Seine Kompositionen gerieten aber in Vergessenheit und sind erst in den 1920er Jahren dank zweier großer Musikalienfunde wieder entdeckt worden.

Nach der Aufführung des Gloria Anfang November im Rahmen des Ostbelgienfestivals in Born wagte sich nun am vergangenen Samstag der Cäcilienchor an St. Nikolaus Eupen zu seinem 162. Stiftungsfest gemeinsam mit dem Vokalensemble Cantabile mit dem gleichen Werk an die Öffentlichkeit.

Beide Chöre stehen unter der Leitung von Gerhard Sporken, der mit hoher musikalischer Kompetenz die Bedingungen schafft, unter denen diese Chöre zu großen Leistungen fähig werden.

Nach der Abendmesse, in der der Cäcilienchor die Missa Brevissima von Johann Ernst Eberlin, einem Zeitgenossen Mozarts, aufführte, wurde im fast vollen Gotteshaus das

Foto: H. Thönnissen

kirchenmusikalische Konzert mit Antonio Vivaldis Konzert für zwei Trompeten, Streicher und Basso Continuo in C-Dur (RV 537) eröffnet. Ein virtuos-spannendes Kabinettstück, das den Solisten Michiel de Vleeschouwer und Patrick Sporken sichtlich Spielfreude bereitete. Unterstützt durch das Streicher-Ensemble des Abends, unter der bewährten Leitung des mit reicher Erfahrung ausgestatteten Konzertmeisters Paul Pankert, gelang den beiden eine saubere Interpretation des Werkes. Kontrastreich herausgearbeitet die pointierte Melodik durch die gegensätzlichen Themenformulierungen, die perlende Wiederholung der Motive, rhythmisch prägnant und dadurch eingängig. Im Largo an die „Vier Jahreszeiten“ erinnernd.

Bereits im Eingangschor zum Gloria zeigte Gerhard Sporken die Richtung auf, hin zu einer Klangverschmelzung mit einer - durchaus gewollten - Dramatik wie im „Et in terra pax“. Eben original Vivaldi, der in seinen Stücken zwar das Metier, aber nicht seinen Stil änderte, denn seine gesamte Kirchenmusik ist effektbetont und unterscheidet sich kaum vom Kompositionsstil in seinen Opern.

Vorab: Was Sporken gelang, war, Farben zu erzeugen, für melodische Plastizität zu sorgen und Vivaldis Drive auf seine Tempi zu übertragen. Seine Chöre folgten ihm dabei willig. Seine Solisten aber auch. Einfühlsam und mit effektvoll-vokaler Technik im „Laudamus te“-Duett die beiden Sopransolisten Marie-Louise Sporken-Havet und Angela Bin-Yasim.

Wunderschön auch die behutsame Unterstützung der „Domine Deus“-Arie durch Oboe und Continuo. Ein Gebet, gesungen von Marie-Louise Sporken mit feinem Timbre und speziellem Duktus.

Die Chor-Nummer Sieben des Gloria, „Domine Fili unigenite“, war wieder ein Beispiel für die Einfälle des großen Venezianers, lebhafte Rhythmik wechselt sich ab mit harmonischen und asymmetrischen Abschnitten.

Die Emotion des Flehens nach Erbarmen und Verzeihung prägte die Tutti/Soli-Arie des „Domine Deus, Agnus Dei“, interpretiert durch die Altistin Réjane Soldano mit ihrer samtenen Stimme und ihrer absoluten Identifikation mit dem Text, gleichwohl wie im „Qui sedes ad dexteram Patris“ - leider durch Erkrankung nicht auf dem Höhepunkt ihrer stimmlichen Möglichkeiten.

Zuhörer in die Wunder des Gloria geführt

Chorischer Höhepunkt war die grandiose Schlussfuge zum erlösenden Amen. Großer, herzlicher Applaus erklang.

Klar ist, dass Gerhard Sporken die Architektur des Werkes versteht und seine Zuhörer in die Wunder dieses Gloria zu führen vermag. Seine Interpretation war ehrlich und klar, hatte Autorität und zugleich Fantasie.

Das Klangbild des Chores wie der Solisten ließe sich in Zukunft mit einer Aufstellungsregie noch weiter verbessern.

Während der Messe erhielten Karin Havenith und Gerhard Sporken aus den Händen des Präses des Cäcilienchores, Dechant Helmut Schmitz, im Namen des Bischofs von Lüttich, für ihre 35-jährige Tätigkeit in der Musica Sacra die Goldene Lambertusmedaille.

Bei der anschließenden Chor-Party im Atelier Kunst und Bühne wurde, wie immer bei Stiftungsfesten in diesem Rahmen, mit den Geehrten kräftig gefeiert.

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