Caecilienchor
Chor & Liturgie


Wir geben hier verschiedene Texte wieder, die uns der Präses von Födekam, Pastor Emil Piront, freundlicherweise zur Verfügung stellte.
 

Teil 1: Liturgie entdecken…

(Quelle: kath.de (J. Pelzer) - E.Piront in Födekam Neues )

Für viele Zeitgenossen stellen die liturgischen Vollzüge der kath. Kirche ein Buch mit sieben Siegeln dar. Auch für manche Sängerinnen und Sänger unserer Chöre. Das liegt nicht zuletzt daran, dass manchmal ganz einfach ein Grund¬wissen vorausgesetzt wird. Dadurch geht der Zugang zu den Schatzkammern der Liturgie verloren. In einer Reihe „Chor und Liturgie" möchte ich hier und in den nächsten Ausgaben von Födekam-Neues auf einige Fragen der Liturgie, auf den Sinn des Gesangs und auf die Rolle des Chores in der Liturgie eingehen. Zunächst möchte ich allerdings auf einige grundlegende Aspekte eingehen.
Auf den Internetseiten von http://www.kath.de fand ich ein „Liturgie-Lexikon" mit interessan¬ten Impulsen, die dazu beitragen, den Zugang zur Liturgie freizulegen. Ich möchte auf diese Seiten zurückgreifen und Sie einladen, sich auf eine Entdeckungsreise einzulassen, die für Sie so manch überraschende, erstaunende Erfahrung bereithält. Lernen Sie die Handlungen der kath. Kirche in den Gottesdiensten in ihrer tieferen Bedeutung kennen und nicht zuletzt: Lassen Sie sich überraschen, wie hinter den liturgischen Handlungen das je größere Licht des Glaubens aufleuchtet..

Was feiert man in der Liturgie? Einen Gott der Geschichte

Christen glauben daran, dass sich Gott in der Geschichte geoffenbart hat. Zentral ist dabei die Offenbarung in Jesus Christus, seinem Sohn. Aber es gibt auch andere, so etwa die Offenba¬rung Gottes an Moses. Dementsprechend kann Liturgie nur feiern, wie sich Gott den Menschen geoffenbart hat. Liturgie ist für uns immer geschichtliche Liturgie. Alles Sprechen über Gott ist demnach richtig, wenn es geschichtlich ist. Eigentlich ist deshalb jedes liturgische Fest geschichtlich rückgebunden in der Geschichte Gottes mit seinem Volk. In der Messe feiern wir die ganze Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zur Wiederkunft des Herrn.

Trinität und Hineingenommensein

Da Gott sich als der Breieine geoffenbart hat, ist jedes Fest auch immer die Feier der ganzen Trinität. Christlicher Gottesdienst ist deshalb immer trinitarischer Gottesdienst. Christen feiern streng genommen keinen Gottesdienst, sondern sie wissen sich in den Dienst Gottes an uns hinein genommen. Der Mensch begeht keinen Gottesdienst, sondern er stimmt sich ein in das, was Gott an uns tut.

Was ist die Grundlage der christlichen Liturgie? Jesu Biografie als Gottes Offenbarung


Inkarnation, also Fleischwerdung ist die Voraussetzung des christlichen Gottesdienstes. Gott ist selbst Mensch geworden und ist in die Erde eingetreten. Gottesdienst kann immer nur mit und auf der Erde gefeiert werden. Man kann Gottesdienst nie verbauter feiern - es gibt keine Wortgottesdienste. Das spezifische des christlichen Gottesdienst ist das verbum incarnatum, das « Fleisch gewordene Wort ». Erlösend ist nicht das Wort Jesus Christus, sondern sein Leben - das ganze Leben - und seine Hingabe am Kreuz. Jesus Christus hat uns in 33 Jahren
gewissermaßen Gott vorgelebt. Es gibt über diese 33 Jahre hinaus nichts mehr zu sagen. Thomas von Aquin sagt dazu: „Im Himmel werden wir die 33 Jahre Jesus Christus verstehen."
Wir haben also Gottes Offenbarung als Biografie: Das Leben, die Passion, der Tod und die Auferstehung Jesu ist die Offenbarung Gottes.
Und wir haben noch mehr: das Antlitz Gottes in jedem anderen Menschen.

Was bricht in der Liturgie Neues an? Der Beginn der Endzeit - im Hier und Heute

Apocalypse now ist ein Filmtitel. Es könnte aber auch die Überschrift der Liturgie sein:
Es gibt nur noch das apokalyptische Zeitmaß, die Endzeit. Christentum ist Letztzeit. Das Buch der Apokalypse ist also nicht das letzte Buch, sondern das Aktuellste. Liturgie und Gottesdienst sind somit Feier des Anbruches der Letztzeit im Hier und Heute. Es gibt verschiedene Schichten der Zeit: historisch etc., aber die wichtigste ist die apokalyptische. Alles liturgische Feiern ist Verweisen auf den oben beschriebenen Verwandlungsprozess der Welt in die Ewigkeit. Dieses Geschehen nennt Johannes Liturgie. So hat jeder Tag keine Eigenaussage mehr, sondern lässt sich nur aus der Begegnung mit Jesus erklären. Deswegen meditieren die Christen. Die Liturgie ist nicht die Sonderfunktion des Alltags, sondern deren Definition. Mit Christus ist die Endzeit angebrochen, das Buch der Apokalypse beschreibt das als Liturgie.


 

Teil 2: Singt dem Herrn, unserm Gott!

 (Quelle: M. Eham, „Singt, ihr Christen!") E. Piront

Gesang und Musik in der Eucharistie

„Vielen Dank unserem Chor, der zur Verschönerung unseres Gottesdienstes beigetragen hat." „Der Gottesdienst wurde mit schönen Beitragen des Gesangvereins umrahmt..." So gut solche Worte auch gemeint seien (und sie den Sängerinnen auch gut tun), so können sie den¬noch ein ungenaues Verständnis von der Rolle des Gesangs und der Musik in der Liturgie bein¬halten.
Gottesdienstlicher Gesang ist nicht nur Umrah¬mung, sondern Wesens-Bestand jeder liturgischen Feier.
Wenn wir die Rolle eines Chores in der Liturgie näher bestimmen wollen, so gilt es zunächst, auf die Bedeutung des gottesdienstlichen Gesangs einzugehen. Seine Funktion ist entweder die Begleitung einer liturgischen Handlung (z.B. Gesang beim Einzug, zum Gabengang, zur Kommunion) oder im Singen wird eine liturgische Handlung selbst vollzogen (z.B. Kyrie-Rufe, Antwortpsalm, Sanctus ...).
Ich möchte an dieser Stelle einige Impulse, die in der Zeitschrift Praxis Gottesdienst erschienen sind, aufgreifen und nach und nach vorstellen. Vor allem sollen die Gesänge der Eucharistiefeier in ihrer liturgischen Funktion erschlossen werden.

Begleitgesang zum Einzug

Der Anfang eines jeden Gottesdienstes ist zunächst eine gemeinsame Bewegung: das Zusammenkommen der Gemeinde. Der Einzugs¬gesang stimmt auf den Grund und das Ziel der Feier ein: die Gemeinschaft der Versammelten mit Gott - im Hören seines Wortes und durch die eucharistische Mahl-Hingabe seines Sohnes.
Die Gesänge zur Begleitung der Einzugs-Prozession sollten von der Gemeinde so mitgesungen werden können, dass sie zugleich den Vor-Gang schauend miterleben und im Singen und Hören innerlich mitvollziehen können. Wechselgesänge zwischen Chor oder Schola und Gemeinde, bestehend aus Kehrvers und verschiedenen Versen, können hier geeignet sein und der Dauer des Einzugs angepasst werden. Ideal ist, wenn der Kehrvers auswendig gesungen werden kann.

Kyrie-Litanei

Als Begleitgesang zum Einzug kann auch eine Kyrie-Litanei dienen. Wir sind zu sehr daran gewöhnt, das Wort „Kyrie" sofort mit dem Bußakt zu assoziieren. Dabei ist kyrios zunächst ein Huldigungstitel. Zu Beginn des Gottesdienstes blicken die Feiernden auf den tragenden Grund ihrer Versammlung: den auferstandenen Herrn Jesus Christus. Er hat seine Gegenwart zugesagt, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Die Gemeinde nimmt ihn in gewisser Hin¬sicht beim Wort und ruft ihn huldigend an mit seinem Ehrennamen: Kyrie- Herr, du unser Erbarmen" Eine solche Litanei kann den Einzug, sowie die Inzensierung (Beweihräucherung) von Altar, Kreuz und Evangeliar begleiten. Auch Christus-Anrufungen mit dem Kehrvers „Lob dir, Christus, König und Erlöser" (GL 562) können geeignet sein.
Diese Dynamik des Begleitgesangs während der Prozession kann, so finde ich, auf sehr tief¬gehende Weise am Palmsonntags-Gottesdienst erfahren werden. Ich plädiere persönlich, den Gottesdienst am Palmsonntag, an einem passenden Ort außerhalb jener Kirche, die das Ziel der Prozession ist, beginnen zu lassen. Die ganze Gemeinde (also auch der Chor!) zieht singend in die Kirche.

Eröffnungsgesänge

Die andere Form ist der Eröffnungsgesang in selbständiger Funktion. Er beginnt erst, wenn der Einzug der Dienste abgeschlossen ist bzw. die feiernde Gemeinde versammelt ist. Das Talent und das Können des liturgischen Organisten sind auch hier gefordert. Geschlossene musikalische Formen wie das Gemeindelied sind zu einem solchen Eröffnungsgesang geeignet (z.B. GL 640 „Gott ruft sein Volk zusammen").

Es gibt eine Gruppe von Liedern, bei der jede Strophe mit dem Ruf „Kyrieleis" oder mit der Wendung „Erbarm dich, Herr" endet, wie z.B. bei „Sonne der Gerechtigkeit" (GL 644). Wählt man ein solches Lied als Eröffnungslied, entfällt das Kyrie, da die Anrufung des auferstandenen Herrn schon im Lied geschah.

Nach dem Gesang zum Einzug bzw. dem Lied zur Eröffnung folgt als nächstes gesungenes Element das Kyrie. Darauf gehen wir in der nächsten Ausgabe von Födekam-Neues ein.


 

Teil 3: Gottes Wort hören und singen

(Quelle: www.liturgie.ch - E.Piront in Födekam Neues )

Bei ihrer spirituellen Suche stoßen Menschen immer wieder auf Psalmen. In der Messe ist vor allem der Antwortpsalm als kommuni­katives Ereignis wieder neu zu entdecken. 

Der Antwortpsalm ist der hauptsächliche Psalm der Messe, denn im Unterschied zu anderen Psalmgesängen begleitet er nicht nur eine liturgische Handlung, sondern zieht als eigenständiges Element die Aufmerksamkeit der ganzen Versammlung auf sich.

Ihm kommt eine anspruchsvolle liturgische Aufgabe zu, denn in dem einen Gesang ver­binden sich drei Momente: die Verkündigung des Wortes Gottes, dessen meditative Aneig­nung und die Antwort der Gemeinde darauf. 

Was während Jahrhunderten ein musikalischer Höhepunkt der Wortverkündigung war, ist in der heutigen Praxis allerdings häufig kaum mehr als ein kurzes Intermezzo zwischen zwei Lesungen. Vor allem im deutschen Sprach­raum ist der Antwortpsalm noch nicht richtig heimisch geworden und wird regelmäßig durch ein Gemeindelied oder durch medita­tives Orgelspiel ersetzt.

Responsoriales Singen

Dabei gehört der Psalm zu den ältesten und wichtigsten Gesangselementen der Messe. In der Frühzeit der Kirche trug ihn der Psalmist auf der Basis eines musikalischen Modells frei improvisierend vor. Der Kehrvers der Gemeinde bestand meistens aus einem Halleluja oder einem Versteil des jeweiligen Psalms. Diese responsoriale Art des Psalmensingens (lateinisch: respondere = antworten) war vor allem vom 4.-6. Jahrhundert sehr beliebt und weit verbreitet. Sie knüpfte an die jüdische Praxis an und tritt bereits in der Textgestalt mehrerer Psalmen auf, zum Beispiel in Psalm 136:

Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig! Danket dem Gott aller Götter, denn seine Huld währt ewig! Danket dem Herrn aller Herren, denn seine Huld währt ewig!

Man muss sich das wechselseitige Singen als sehr lebendig und spontan vorstellen. Es handelt sich um eine einfache gemeinschaftliche Ausdrucksweise, wie wir sie vor allem aus Volksliedern und Spirituals kennen, die uns aber auch in Fangesängen an Sportveranstal­tungen begegnet.

Graduale

Im Mittelalter entwickelten die hoch angese­henen Kantoren die Musik weiter. Mehr Musik bedeutete weniger Text: Der Gradualpsalm (lateinisch: gradus = Stufen; von den Stufen zum Ambo zu singen) bestand in der Regel nur noch aus zwei Psalmversen. Die Auswahl dieser Verse war allerdings nicht bloß das Resultat willkürlicher Kürzungen, sondern ein durchdachter, kreativer Vorgang, der nur vor dem Hintergrund einer großen Vertrautheit mit den Psalmen zu verstehen ist. Das Graduale entstand aus der intensiven theologischen und spirituellen Beschäftigung mit den biblischen Psalmen und stellt in seiner organischen Verbindung von Text und Musik eine Hochform liturgischen Gesangs dar.

Später büßte der Wortgottesdienst und mit ihm der Psalm und das Kantorenamt an Be­deutung ein. Nachdem bereits die Beteiligung der Gemeinde weggefallen war, ging schließ­lich auch die responsoriale Ausführung ganz verloren. Das vom Chor gesungene Graduale erhielt den Charakter eines besinnlichen Zwischengesangs.

Wiedergewinnung der Ursprungsgestalt

Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils hob wieder stärker den Verkündigungscharakter des Psalms im Wortgottesdienst hervor. Auch das wechselseitige Singen zwi­schen Vorsängern und Gemeinde stellte man nach altkirchlichem Vorbild wieder her. Von dieser Vortragsweise erhielt der Psalm die Bezeichnung „Antwortpsalm".

Das Lektionar sieht für jede Messfeier einen Psalm nach der ersten Lesung vor, auf die er sich meistens inhaltlich bezieht. Der Psalm schlägt eine Brücke von der alttestament­lichen zur neutestamentlichen Lesung. Um das Singen zu erleichtern, ist es möglich, einen anderen passenden Psalm und Kehrvers zu wählen.

Existentielle Dimension der Psalmen

Der Text des Antwortpsalms entstammt der Heiligen Schrift. Darum wird er - wie die biblischen Lesungen - vom Ambo aus vorgetragen. Weil aber die Psalmen ursprünglich Gesänge sind, unterscheiden sie sich wesentlich von anderen biblischen Texten. Bischof Athanasius von Alexandrien be­schreibt im 4. Jahrhundert seine Erfahrungen mit dem Buch der Psalmen (Psalter) wie folgt:

„Was die Heiligen (Schriftsteller) reden und wovon sie sprechen, das beziehen die Leser auf die Personen, von denen berichtet wird, und die Hörer halten sich für andere als die, von denen die Rede ist. Die berichteten Taten erwecken lediglich Bewunderung und das Verlangen, sie nachzuahmen. Anders jedoch, wenn du den Psalter in die Hand nimmst.... Wer die Psalmen liest, wird zerknirscht, wie jemand, der selber so redet, er wird durch die Worte der Lieder in die gleiche innere Stim­mung versetzt, wie wenn es seine eigenen, persönlichen wären ... Ich bin der Ansicht, dass in den Worten dieses Buches das ganze menschliche Leben, sowohl die geistlichen Grundhaltungen als auch die jeweiligen ,Bewegungen' und Gedanken umfasst und enthalten sind. Nichts kann darüber hinaus im Menschen gefunden werden ..."

Die Kirche hat seit jeher Psalmen in der Litur­gie verwendet, um „Gott mit seinen eigenen Worten zu antworten" (Joseph Gelineau). Zusammen mit anderen biblischen Gesängen bilden die Psalmen die Grundlage der Tag­zeitenliturgie. Doch anders als im Mittelalter ist ihr Bekanntheitsgrad heute auch unter Christen gering. Für die meisten Zeitgenossen sind die Psalmen unbekannte und fremde Texte aus längst vergangenen Zeiten.

Der Antwortpsalm hat es unter diesen Umständen nicht leicht, den ihm von der Liturgiereform zugewiesenen Platz als „wesentliches Element des Wortgottes­dienstes" zurückzugewinnen.

Trotzdem: Die Psalmen haben nichts von ihrer Lebendigkeit eingebüßt. Wer sich auf sie einlässt, spürt in der konkreten Bildersprache und in der rhythmischen Dynamik eine große emotionale Tiefe und existentielle Kraft.

Liturgischer Dialog

Im Unterschied zu anderen biblischen Texten wird in den Psalmen nicht aus einer gewissen Distanz über Ereignisse und Personen berichtet. In ihnen findet ein Dialog statt, es kommt eine Beziehung zum Ausdruck, in die Vortragende und Hörende gleichermaßen hinein genommen werden.

Beim Wechselgesang des Antwortpsalms ge­winnt dieser Dialog an Lebendigkeit und Intensität, besonders wenn dabei Soloverse und Gemeinderuf musikalisch so aufeinander be­zogen sind, dass ein einziges gemeinsames Singerlebnis entsteht.

„Die responsoriale Psalmodie ist das Abbild des unaufhörlichen Dialoges, den Bräutigam und Braut in der Liturgie führen", schreibt der französische Jesuit Joseph Gelineau, einer der Förderer des Antwortpsalms. Dieser Dialog zwischen Gott und Mensch zeichnet die Liturgie im Allgemeinen und den Wortgottesdienst im Besonderen aus: „In der Liturgie spricht Gott zu seinem Volk; in ihr verkündet Christus noch immer die Frohe Botschaft. Das Volk aber antwortet mit Gesang und Gebet." (Zweites Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Artikel 33).

Josef-Anton Willa (www.liturgie.ch)

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